Besuch auf dem Bauernhof

^Verena Büssing (links) präsentiert den aufmerksamen Schülerinnen und Schülern den jüngsten Nachwuchs, Kälbchen „Annemarie“, geboren am 23. September.
Verena Büssing (links) präsentiert den aufmerksamen Schülerinnen und Schülern den jüngsten Nachwuchs, Kälbchen „Annemarie“, geboren am 23. September.

Woher kommt mein Frühstück?

Sechstklässler der Liebfrauenschule besuchen Hof Büssing

Hautnah erlebten die Schülerinnen und Schüler der 6. Klassen der Liebfrauenschule vor den Herbstferien, wie Lebensmittel hergestellt werden. Dazu hatten sie seit Schuljahresbeginn im Unterricht theoretisch gearbeitet, jetzt erhielten sie bei einem Unterrichtsgang zum landwirtschaftlichen Betrieb der Familie Büssing in der Hovestadt Einblicke in die Praxis. Die Klasse 6a machte nun in Begleitung ihres Klassenleitungsteams Daniela Smolka und Kristina Kruse den Anfang.

Im Rahmen des Unterrichts im Fach Gesellschaftslehre hatten die Schülerinnen und Schüler sich in der Reihe „Versorgung durch Landwirtschaft – bei uns in Deutschland“ mit der Frage beschäftigt, wo ihre Lebensmittel herkommen. Zum besseren Verständnis besuchten sie den Hof Büssing, den sie nach einem gut halbstündigen Fußmarsch erreichten. Während sich die Unterrichtsinhalte auf die Schweinezucht konzentriert hatten, erhielt die Klasse jetzt Kenntnisse über die Milchwirtschaft und die Bullenmast. Juniorchefin Verena Büssing, gelernte Landwirtin mit Meisterbrief, führte ihre Gäste über den Hof der Familie. Sofort gelang es ihr, mit den Kälberboxen, wo die Tiere die ersten 9 bis 10 Wochen verbringen, die Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler auf sich zu ziehen. Schülerin Christine begeisterte sich beispielsweise sehr dafür, das jüngste Kalb, die 10 Tage alte „Annemarie“ zu streicheln. Weiter ging es zum „Bullenkindergarten“ mit den bis zu vier Monate alten Tieren und zum Bullenstall, der den Übergang zur Mittel- und Endmast darstellt. Dort demonstrierte Verena Büssing, was und wieviel ein Bulle frisst. Die tägliche Futterration von 9 kg setzt sich aus Maissilage, Stroh und Mineralkraftfutter zusammen. Anton, ein von Haus aus interessierter Schüler – beide Großväter sind Landwirte – staunte, denn er hatte eine größere Menge erwartet. Schüler Luca fand den Zuchtbullen Hubert zutraulicher als Verena Büssing lieb war und Schüler Oli freundete sich mit Bullenkalb Uli an. Bei seinem Anblick sinnierte er: „Ich weiß nicht, ob ich gerne eine Kuh wäre, das hätte Vorteile, aber auch Nachteile. Ich müsste nicht zur Schule gehen, aber ich würde geschlachtet.“

Nach einem kurzen Abstecher zur Biogasanlage ging es zu den Milchkühen, wo Verena Büssing die Funktionsweise des Melkroboters erklärte und geduldig auch die letzte Frage beantwortete. Die Schülerinnen und Schüler lernten, dass der Melkprozess vollautomatisch verläuft und nur sieben Minuten pro Tier dauert. Je nach Kuh werden so 13 bis 22 Liter Milch gewonnen. Verena Büssing erläuterte, dass ihr das Tierwohl eine Herzensangelegenheit sei: „Bei uns hat jedes Tier erst einmal seine Daseinsberechtigung. Wenn eine Kuh weniger Milch gibt als der Durchschnitt der Herde, dann schauen wir zuerst, wie sie sich entwickelt, bevor wir über einen Verkauf nachdenken.“ Andererseits zeigte sie auf, dass Landwirte auch wirtschaftlich arbeiten müssen. Für einen Liter Milch erhalte sie zurzeit 34 Cent, damit müsse man den bis zu 120.000 Euro teuren Melkroboter erst einmal finanzieren. Die neunköpfige Vier-Generationen-Familie kann vom Milchvieh allein nicht leben, die Mastbullen sichern die Einkünfte.

Ein besonderes Schauspiel erlebten die Schülerinnen und Schüler zum Abschluss des Ausfluges, als ein Besamungstechniker auf den Hof fuhr. Zunächst prüfte er, ob zwei Kühe empfängnisbereit sind, dann taute er den bei -196°C tiefgefrorenen Samen von Zuchtbulle Simon auf und besamte mit Hilfe eines sogenannten „Revolvers“ die beiden Kühe. In 60 Tagen wollen sich die beeindruckten Schülerinnen und Schüler erkundigen, ob die Kühe trächtig sind. Dann kann der Erfolg der Besamung beurteilt werden.

Zum Abschluss des dreistündigen Aufenthaltes durfte, wer wollte, noch ein Glas Rohmilch probieren, das Urteil lautete unisono „voll lecker“. Fachlehrerin Daniela Smolka freut sich über den Erfolg der Exkursion und den wieder belebten Kontakt zur Familie Büssing: „Toll, dass wir Sie heute besuchen konnten und hoffentlich auch in Zukunft wiederkommen dürfen. Für die Klasse macht der Besuch auf dem Bauernhof die Unterrichtsinhalte lebendig. Vielen Dank für Ihre Gastfreundschaft.“

Text und Foto: Daniela Smolka