Bischof Dr. Genn zu Besuch

Der aus Trier stammende Bischof Genn hilft bei der Suche nach der Moselmündung
Der aus Trier stammende Bischof Genn hilft bei der Suche nach der Moselmündung
Bischofsbesuch in der einzigen Sekundarschule der Diözese in Nottuln

Nottuln (pbm). "Was habt ihr neu gelernt?" Nur einen Moment blickt Lehrerin Franziska Versmold erwartungsvoll in die Runde, dann prasseln die Antworten der Fünftklässlerinnen und Fünftklässler auf sie ein, etwa: "Dass der Kompass eine Windrose hat", sagt die Eine. "Welche Knochen beim Hund im Fuß sind", strahlt der Nächste, und eine Dritte erklärt: "Dass man sich konzentrieren muss, wenn man etwas schaffen möchte". Die SEGEL-Stunde, die Zeit SElbst GEsteuerten Lernens, ist zu Ende, die 5d der Liebfrauenschule darf in die Pause.
Das war neu für Münsters Bischof Dr. Felix Genn, der am 1. September in Nottuln die einzige Sekundarschule in bischöflicher Trägerschaft im Bistum besucht hat. Erstmals erlebte der Geistliche, der, wenn nicht Priester, wohl Lehrer geworden wäre, einen inklusiv ausdifferenzierten Unterricht. Dabei arbeiteten Schüler eigenständig auf unterschiedlich anspruchsvollem Leistungsniveau an verschiedenen Themenfeldern aus den vier Unterrichtsfächern Gesellschaftslehre, Musik, Naturwissenschaften und Religion.
Die Sekundarschule Nottuln bereitet sowohl auf Berufsausbildungen und berufliche Bildungsgänge als auch auf die gymnasiale Oberstufe vor. In den Jahrgangsstufen fünf und sechs wird im Klassenverband unterrichtet, ab Klasse sechs gibt es Wahlfächer und ab Klasse sieben Grund- und Erweiterungskurse in den Hauptfächern.
Drei Schülersprecher gehörten zum Begrüßungskomitee, zeigten dem Bischof ihre Schule und schildeten ihm, was ihnen gefällt. "Hier sind weniger Leute in den Klassen", erzählte der 14-jährige Tom, "da fällt es leichter, zu lernen". Die 16-jährige Laura ergänzte, dies sei besonders für Mitschüler mit Lernschwächen gut, die in zu großen Klassen untergingen. Und der 13-jährige Mursil brachte seine Begeisterung so auf den Punkt: "Ich finde das System der Sekundarschule super".
"Diese Schule als Ganzes finde ich bemerkenswert", kommentierte ähnlich der Bischof, nachdem ihm pädagogische Hintergründe, Lernkontrollen, Benotungsverfahren und weitere Aspekte ausführlich erläutert worden waren, "mit 40 Schülern in der Klasse könnte man das nicht machen". Und löste mit einer offenen Bemerkung große Heiterkeit aus: "Bei Ihnen hätte ich in Mathe wohl mehr Chancen gehabt".
Als eine zweite schulische Besonderheit präsentierte man dem Bischof den Bereich Beratung und Schulsozialarbeit. Schüler, Eltern und Lehrer kämen mit einem großen Spektrum an Fragen, um Rat und Unterstützung zu erhalten, schilderte Schulsozialarbeiter Johannes Jötten: "Ich habe ordentlich zu tun", zumal er auch bei der Organisation der offenen Ganztagsschule oder im Bereich sozialer Gruppenarbeit gefragt sei. Der Beratungsbedarf sei riesengroß und könne nur mit einem fünfköpfigen Team gedeckt werden, erklärte Schulleiter Ulrich Suttrup und hob hervor, es sei "ein großes Glück, dass wir die Schulseelsorge haben", die sich hier ebenfalls einbringe.
Die Partnerschaft der Liebfrauenschule mit dem Internat Lar Cristo Rei in Mosambik war das dritte große Thema bei diesem Bischofsbesuch. Engagierte Schüler und Lehrer stellten dem Bischof vor, wie sie am Afrikatag mit Sponsorenläufen der Jüngeren und Arbeitstagen der älteren Schüler sowie mit einem Adventskalender mit Afrikamotiven Gelder für das Partnerprojekt erwirtschaften und wie diese Partnerschaft in den Fachunterricht integriert wird. Der Bischof zeigte sich erfreut und wünschte "Ermutigung und alles Gute für diese wichtige Arbeit".
Im Lehrerzimmer stellte der Schulleiter schließlich heraus, dies sei der erste Besuch eines amtierenden Diözesanbischofs in dieser Schule, "ein wirklich außergewöhnlicher Tag". Genn erläuterte den versammelten Pädagogen, der Besuch stehe im Rahmen einer ganzen Reihe solcher Visiten; schließlich stehe das Bistum mit mehr als 38.000 jungen Menschen, die täglich Schulen und Bildungseinrichtungen in kirchlicher Trägerschaft besuchten, an erster Stelle der deutschen Bistümer. Er selbst habe 2012 grünes Licht für die Umwandlung der Liebfrauenschule in eine Bischöfliche Sekundarschule gegeben und sich heute vergewissern können, dass dies eine gute Entscheidung gewesen sei: "Das Konzept überzeugt mich, soweit ich es erleben konnte". Ausdrücklich und herzlich dankte der Bischof den Lehrkräften "für Ihren Einsatz, Ihre Kompetenz und Ihre Zeit". Auch in den hohen Anmeldezahlen spiegele sich wieder, wie erfolgreich hier gearbeitet werde.

Quelle: Bischöfliche Pressestelle Münster