Suchtprojekttag an der Liebfrauenschule

Hermann Wenning liest einige Episoden aus seinem zweiten Buch „Versoffene Jugend“.
Hermann Wenning liest einige Episoden aus seinem zweiten Buch „Versoffene Jugend“.

Im Rahmen ihrer Präventionsarbeit waren die Schüler des 8. Jahrgangs zum diesjährigen Suchtprojekttag eingeladen. Die Liebfrauenschule hatte unter der Federführung von Christiane Schabos ein umfangreiches Programm für die Schüler zusammengestellt.

Der Vormittag beginnt mit einer Lesung des Autors Hermann Wenning. Dabei berichtet er ehrlich und unverblümt von seiner jahrelangen Drogenabhängigkeit. Zunächst liest Wenning einige Episoden aus seinem zweiten Buch „Versoffene Jugend“. Sie erzählen von seinen Erfahrungen mit Alkohol schon in jungen Jahren: die erste Alkoholvergiftung als Achtklässler – er wacht im Krankenhaus auf. Weitere Abstürze folgen, sei es bei der Meisterschaftsfeier der B-Jugend oder beim Schützenfest. Wenning trinkt immer wieder, findet kein Maß. Mit 18 Jahren ist er alkoholsüchtig. Die Konsequenzen aus dem wiederholten Alkoholkonsum bleiben nicht aus. Schlüsselbeinbruch nach einem Mofaunfall, Verlust des Ausbildungsplatzes und später auch Verlust des Arbeitsplatzes. Mit Lügen und Heimlichkeiten stemmt Wenning seinen Alltag.

 

Zwischen den einzelnen Abschnitten sucht der Autor das Gespräch mit seinen jugendlichen Zuhörern. Warum probieren Jugendliche Alkohol? Und die Antwort kommt prompt: man will dazugehören, mitmachen, nicht außen vorstehen. Darin sieht Wenning die große Gefahr. Er prangert die Doppelmoral im Umgang mit der legalen Droge Alkohol an: bei gesellschaftlichen Ereignissen wird es geradezu erwartet, dass Alkohol konsumiert wird. Wer viel trinkt, viel verträgt und am nächsten Tag wieder arbeitet oder zur Schule kommt, ist angesehen. Wer jedoch morgens um 9 Uhr alkoholisiert auf einer Parkbank aufwacht, wird verachtet.

 

Im zweiten Teil der Lesung liest Wenning aus seinem Erstlingswerk „Lauf zurück ins Leben – Bericht einer Lebenskrise“. In diesem Buch geht es um den Konsum illegaler Drogen, mit denen er erstmals als im Alter von 31 Jahren in Kontakt kam, als er im Nebenjob kellnerte und ein Dealer ihm Ecstasytabletten anbot.

Wenning beschreibt wie er immer tiefer in den Drogensumpf gerät. Er verlässt seine Heimat und es zieht ihn nach Hamburg, wo er zunächst auf der Straße und später in einem Obdachlosenheim "lebt".

 

In Hamburg durchlebt er die schwerste Zeit seines Lebens - immer größer wird seine Abhängigkeit nach Drogen, sodass er verschiedene, immer stärkere Drogen konsumiert.

Wenig später findet er sich im Gefängnis wieder. Niedergeschlagen und enttäuscht von sich selbst erhält Wenning trotzdem weiter Zuspruch durch seine Familie, die ihm regelmäßig Briefe schreibt.

Und so ist es am Ende der Brief seines Bruders, der ihm die Erinnerungen an seine erfolgreiche, sportliche Zeit erzählt und ihm neuen Lebensmut gibt.

Hierdurch motiviert beginnt Wenning das Laufen und wird von einem Gefängniswärter für einen Wettkampf angemeldet, was für ihn der Neubeginn in ein neues Leben ist.

 

Sichtlich betroffen und emotianal berührt wechselten die Achtklässler nun in die sieben verschiedenen Workshops, die zuvor sehr individuell und sorgfältig gewählt haben. Jeder Schüler hatte die Möglichkeit an zwei Workshops teilnehmen.

Hans-Uwe Hahn, Leiter der Kreuzbundgruppe Nottuln, arbeitete interaktiv mit den Jugendlichen die Gefahren des Alkoholkonsums heraus, während Lioba Krüger-Rosenke, AWO Sucht und Drogenberatung Coesfeld, verstärkt auf die illegalen Drogen einging.

 

Lukas Sperle setzte sich mit den Schülern mit dem Thema. „Man ist, was man isst“ auseinander. Hierbei ging es auch um Suchtendenzen und Suchtentstehungsfaktoren etwa bei der Magersucht, der Esssucht oder der Bulimie.

Das SV- Lehrerteam Eva Meyer und Phillipp Roberg gingen ganz neue Wege in der Medienpädagogik. Die SchülerInnen wurden interaktiv durch den Dschungel der der digitalen Kommunikationsmedien geschickt, um so auch die Gefahren zu entdecken.

Was mache ich mit meinem Bewegungsdrang oder gar mit meinen Aggressionen. Eine nicht unwichtige Frage in der heutigen Computer- und damit verbundenen Sitzgesellschaft. Christoph Ihmenkamp gab eine Antwort darauf. Körperlich auspowern bedeutet gleichzeitig Stressabbau und den Körper wieder in ein Gleichgewicht bringen, auch unter dem Aspekt des Glücklichseins.

 

Dieses Gefühl wurde auch in den Workshops von Angela Saget und Mechthild Rensing angesprochen, wenn auch auf ganz anderen Wegen. Frau Saget führte die SchülerInnen in das Autogene Training als eine Möglichkeit des zur Ruhekommens und des Bei sich Seins ein. Mechthild Rensing machte sich mit den SchülerInnen auf den Weg herauszufinden was mich als Mensch beeinflusst, in welchen Situationen es reizvoll oder ein Ausweg zu sein scheint zu Drogen zu greifen.

Der Sucht Sehnsucht Tag ist sicherlich nur ein Baustein in der Suchtprävention, aber er ist auch ein Moment des Innehaltens und der Reflexion des eigenen Tuns. Dieser Aspekt der Selbstreflexion kommt im schulischen Kontext auf dem Weg zum Erwachsen werden nicht so häufig vor.

 

Text: Christiane Schabos Fotos: Daniela Smolka