Theatermafia zu Besuch

Am Ende der Vorstellung liegt der „Feigling“ (Mitte) am Boden, die Schüler im Publikum reagieren amüsiert, aber auch nachdenklich.
Am Ende der Vorstellung liegt der „Feigling“ (Mitte) am Boden, die Schüler im Publikum reagieren amüsiert, aber auch nachdenklich.

Was tun, damit Konflikte nicht eskalieren?

Wie bereits in den Vorjahren gastierte die „Theatermafia“ aus Münster nun wieder mit ihrer Inszenierung „Tatverdächtige“, bei dem es um Jugendgewalt geht, in der Liebfrauenschule.

Im Handumdrehen ziehen die sechs jungen Schauspieler die knapp 100 Sechstklässler in ihren Bann. Das Zentrum der Schule ist Bühne und Zuschauerraum zugleich. Die Schüler hängen an den Lippen der Akteure und folgen der Vorstellung gebannt. Mal spielt eine Szene in der einen Ecke, mal ziehen sich die Wortgefechte quer durch den Raum.

Die Schauspieler stellen verschiedene Alltagssituationen nach, die sich im schulischen, aber auch im häuslichen Bereich abspielen. Es streiten Mutter und Sohn, Mutter und Tochter, Vater und Mutter oder Jugendliche untereinander. Dabei geht es um Themen wie Zimmer aufräumen, Schule schwänzen, Schlägereien, schlechte Noten, aufgekündigte Freundschaften und, und, und.

Viele dieser präsentierten Situationen kennen die Schüler aus eigenem Erleben, insbesondere die Szenen, in denen Lehrer imitiert werden, stoßen auf großes Interesse bei den Schülern. Sie drehen sich auf ihren Stühlen, um dem Geschehen zu folgen, sie lachen, sind aber auch erschrocken und schauen beschämt weg. Zwei Lehrertypen werden vorgeführt: zunächst wird „die Schmidt“ nachgeäfft, mit Sprüchen wie „Sie sehen tierisch geil aus, wie wär’s denn mit uns beiden?“ kommt die Lehrerin nicht klar, sie reagiert verunsichert, kann sich nicht durchsetzen, letztendlich schreit sie und verliert die Selbstkontrolle. Dann wird „der Müller“ nachgemacht, der „Herr Doktor“ mit seinem autoritären Stil, der unangekündigt Tests schreiben lässt und bei dem es Sechsen hagelt. Ein Fiesling halt.

Am Ende steht eine Szene, in der ein Schauspieler, der einen Schüler spielt, solange als „Feigling“ verspottet und anschließend getreten wird, bis er im wahrsten Sinne des Wortes am Boden liegt.

Im Anschluss an die Vorstellung führen die beiden Theaterpädagogen der „Theatermafia“, Olaf Herzog und Jan Siebenbrock, mit allen vier Klassen des Jahrgangs ein zweistündiges Training unter dem Titel „Stark im Konflikt“ durch. Nach einem Warming up folgen Partnerübungen, in denen erarbeitet wird, wie man in Konflikten miteinander kommuniziert, ohne den Streit eskalieren zu lassen. Wichtig dabei sind der Blickkontakt, eine neutrale Körpersprache und eine angemessene Stimmlage. Die Trainer zeigen, wie dies am besten funktioniert. Die Schüler üben daraufhin, werden korrigiert, müssen sich aber auch gegenseitig verbessern. Gute Tipps haben die Anti-Aggressionstrainer ebenfalls im Umgang mit Beleidigungen. Indem man nämlich beispielsweise zu seinen Schwächen steht, wird man stark und nimmt dem Angreifer den Wind aus den Segeln. Wer zu hören bekommt: „Eh, du bist ja ein kleiner Fruchtzwerg!“ reagiert mit: „Stimmt, ich bin klein.“ Weitere Demütigungen ergeben keinen Sinn mehr und unterbleiben in der Regel.

Zwei weitere Schulstunden, in denen unter Anleitung der Klassenlehrer das soziale Miteinander und kooperative Spiele auf dem Plan stehen, runden den Vormittag ab. Daniela Smolka, Klassenlehrerin der 6c, die für den Jahrgang diesen besonderen Tag an der Schule organisiert hat, fasst zusammen: „Für die Schüler war die Veranstaltung abwechslungsreich und kurzweilig. Viele Punkte werden sicherlich in den Klassenlehrerstunden wie „Morgenkreis“ und „Erwachsen werden“ aufgegriffen und rekapituliert, so dass ein langfristiger Effekt hinsichtlich der Konfliktbewältigung erzielt werden kann!“

Realisiert werden konnte der Besuch der „Theatermafia“ nur deshalb, weil der Förderverein der Schule und die Gemeinde Nottuln, Frau König als Gleichstellungsbeauftragte, der Liebfrauenschule mit jeweils 500 Euro unter die Arme griffen. Insofern gilt beiden ein herzliches „Dankeschön“.

Text und Foto: Daniela Smolka