Berlinfahrt 2014

Schüler der 6a und der 9b bei der Übergabe der Rucksäcke
Schüler der 6a und der 9b bei der Übergabe der Rucksäcke

Vom 02.09 - 05.09 verbrachten die drei Zehnerklassen aufregende Tage in der Bundeshauptstadt. Die Vorbereitung darauf im Unterricht hatte sich gelohnt, denn endlich waren so abstrakte Begriffe wie Checkpoint Charlie, Mauer, Reichstag, Kudamm und Bahnhof Zoo (im wahrsten Sinne des Wortes) zum Greifen nah.
Die Stimmung der Schüler war super, die Programmpunkte abwechslungsreich und mit der Unterkunft hatten die Lehrer einen Volltreffer gebucht, in dem sich wirklich jeder und jede wohlfühlte.

Kommentare der Schüler und Schülerinnen zur Klassenfahrt:
"Der Reichstag. Der Vortrag war eher langweilig, aber die Aussicht von der Kuppel über Berlin war super."
"Das Stasigefängnis war sehr informativ aber auch sehr bedrückend." (Einen ausführlichen Bericht dazu weiter unten)
"Das Olympiastadion war sehr beeindruckend und groß. Die Architektur war interessant, besonders dadurch, dass außen alles alt und innen alles neu war."
"Die Stadtrundfahrt war interessant. Wir hätten aber lieber öfter Halt gemacht und wären rausgegangen."
"Das Hotel war sehr modern eingerichtet und es gab viele Beschäftigungsmöglichkeiten. Es war sauber und sehr zentral gelegen."
"Das Hotel Aletto war echt klasse. Man hatte eine große Auswahl beim Frühstück und einen tollen Blick von der Dachterasse."

Bericht einer Schülerin zum Stasigefängnis Hohenschönhausen in Berlin
 
Auf unserer Abschlussfahrt nach Berlin im September haben wir vieles unternommen und erlebt. Unter anderem waren wir auch im ehemaligen Stasigefängnis Hohenschönhausen, was ich persönlich sehr interessant fand, da ich mehr über diese vergangene Zeitgeschichte erfahren konnte.
Durch das Gefängnis hat uns ein ehemaliger Gefangener geführt, wodurch alles noch viel wirklicher erschien, da er von seinen persönlichen Eindrücken berichten konnte. Er hatte seine eigene Akte über die 8 Tage dabei, die er dort wegen seiner Kontakte zu Amerikanern eingesessen hatte. Daraus zeigte er uns immer wieder Bilder und Protokolle über ihn. Es ist wirklich enorm, wie sehr die Stasi früher darauf geachtet hat, dass niemand erfuhr oder sah, wie die Menschen in diesem geheimen Gefängnis gefoltert wurden. Sie wurden mit winzig kleinen, als Firmenwagen getarnten Autos ohne Fenster durch die Gegend gefahren, damit die Gefangenen und ihre Angehörigen ja nicht wussten wo sie sind.
In der späteren Zeit des Gefängnisaufenthaltes wurden sie nicht körperlich sondern psychisch gefoltert, da diese inneren Schäden für andere nicht sichtbar waren. Da die Stasi die Insassen schon vor ihrer Inhaftierung monatelang Monate lang minutengenau heimlich beobachtet hatte, wussten sie alles über sie. So konnten sie natürlich noch viel besser die Psychofolter anwenden, z.B. bei speziellen Gefangenen immer den Raum nach dem Parfüm der Frau riechen lassen.
Andere Methoden der Folter waren Schlafentzug, sekündlich Wassertropfen auf den Kopf zu bekommen, immer stehen zu müssen oder ähnliches. Die Gefangenen mussten sogar immer in einer bestimmten Position schlafen, sonst kriegten sie Ärger. Sie hatten einfach nirgendwo ihre Privatsphäre.
In Gemeinschaftszellen saßen sogar manchmal als Insassen getarnte Stasispione um alles festzuhalten. (Scheinbar) beste Freunde verrieten sie an den Geheimdienst und sorgten dafür, dass sie verhaftet wurden. Nur ihr Verhörer wusste wie sie hießen, wer sie waren und was sie „Schlimmes“ gemacht hatten. Von allen anderen durften sie nur noch mit ihrer Gefängnisnummer angesprochen werden. Ihre Menschenwürde wurde mit Füßen getreten.

Unser kubanischer Gefängnisführer hat uns auch viel von seiner Zeit als Gefangener erzählt. Ich finde den Mann sehr stark und mutig seine Erinnerungen mit uns zu teilen, damit nichts in Vergessenheit gerät. Doch vor allem wird er jeden Tag wieder mit seinen schrecklichen Erinnerungen konfrontiert und dies finde ich besonders bemerkenswert. Aber vielleicht ist es für ihn auch eine gute Möglichkeit diese zu verarbeiten. Der Besuch hat mich sehr bewegt, nachdenklich gestimmt, aber auch bedrückt.
 
Line K.